Vielleicht bist Du nach dem Mittagessen gar nicht faul.

Nach dem Mittagessen_ Müdigkeit verstehen

Es ist kurz nach Mittag.

Die Pause ist vorbei.

Am Vormittag lief es eigentlich ganz gut.

Und plötzlich?

Die Konzentration lässt nach.

Der Kaffee wird interessanter.

Der Weg zur Toilette erstaunlich attraktiv. 😉

Und auf die Uhr schaut man irgendwie auch häufiger als noch um zehn Uhr.

Das berühmte Mittagstief ist da.

Ich habe genau das in den vergangenen Tagen während meiner Arbeit wieder beobachtet.

Nicht nur bei einer Person.

Und wahrscheinlich ist es auch kein Phänomen eines bestimmten Unternehmens.

Deshalb hat mich eine Frage interessiert:

Was passiert da eigentlich mit uns?

Ist wirklich nur das Mittagessen schuld?

Der Name „Mittagstief“ beziehungsweise Post-Lunch-Dip verleitet zu einer einfachen Erklärung:

Zu viel gegessen. Jetzt muss der Körper verdauen.

Ganz so einfach ist es offenbar nicht.

Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben einen Leistungs- beziehungsweise Wachheitseinbruch am frühen bis mittleren Nachmittag, der auch auftreten kann, wenn zuvor kein normales Mittagessen gegessen wurde. Eine Übersichtsarbeit beschreibt das Post-Lunch-Dip als reales Phänomen mit biologischen beziehungsweise zirkadianen Komponenten. PubMed

Eine experimentelle Untersuchung kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass ein solcher Leistungseinbruch mit Komponenten des körpereigenen zirkadianen Systems zusammenhängen kann. PubMed

Mit anderen Worten:

Vielleicht bist Du nachmittags nicht plötzlich unmotiviert.

Vielleicht kämpfst Du gerade auch ein Stück weit gegen Deine innere Uhr.

Unser Körper arbeitet nicht den ganzen Tag gleich

Unsere Wachheit ist keine gerade Linie von morgens bis abends.

Der menschliche Körper besitzt einen Tag-Nacht-Rhythmus, der zahlreiche Vorgänge beeinflusst.

Das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de beschreibt die innere Uhr als einen wesentlichen Taktgeber dafür, wann wir müde beziehungsweise wach werden. Einer der wichtigsten äußeren Einflussfaktoren darauf ist Licht. Gesundheitsportal

Gut schlafen – im Takt mit der inneren Uhr | gesund.bund.de

Und genau deshalb sollten wir vielleicht einmal aufhören, jede Leistungsschwankung ausschließlich als Frage von Willenskraft und Disziplin zu betrachten.

Aber – und das ist wichtig:

Das bedeutet natürlich nicht:

„Mein Biorhythmus ist schuld. Ich kann nichts dafür.“

Denn genau hier beginnt für uns wieder Eigenverantwortung.

Wenn ich meinen Körper besser verstehe, kann ich meinen Alltag anders gestalten.

Vielleicht liegt die Lösung nicht immer im dritten Kaffee.

Und auch nicht darin, sich selbst innerlich anzuschreien:

„Jetzt konzentrier Dich halt!“

Es können ganz einfache Dinge sein.

Ein paar Minuten aufstehen.

Kurz hinausgehen.

Tageslicht.

Ein kleiner Spaziergang.

Etwas Bewegung statt direkt vom Mittagstisch wieder auf den Bürostuhl.

Ausreichend trinken.

Und natürlich beginnt ein leistungsfähiger Tag bereits in der Nacht davor.

Denn dauerhaft zu wenig oder nicht erholsamer Schlaf kann sich auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirken. Das Bundesgesundheitsportal nennt unter anderem einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, Bewegung, Stressreduktion und den bewussten Umgang mit Wachmachern als Faktoren rund um guten Schlaf. Gesundheitsportal

Und was ist mit dem Mittagessen?

Natürlich kann auch das eine Rolle spielen.

Aber genau hier möchte ich bewusst keine einfache Team-Circles-Regel daraus machen wie:

„Kohlenhydrate machen müde.“

So pauschal wäre das unseriös.

Zusammensetzung und Menge einer Mahlzeit, individuelle Stoffwechselreaktionen, Schlaf, Tagesrhythmus, Tätigkeit und weitere Faktoren können zusammenspielen.

Der entscheidende Gedanke dieses Impulses ist deshalb ein anderer:

Beobachte Dich einmal selbst.

Wann beginnt Dein Mittagstief?

Was hast Du vorher gegessen?

Wie hast Du in der Nacht geschlafen?

Wie viel hast Du Dich am Vormittag bewegt?

Warst Du draußen?

Wie viel hast Du getrunken?

Und was passiert, wenn Du nach dem Mittagessen zehn Minuten gehst, statt direkt wieder zu sitzen?

Nicht als Selbstoptimierungswahn.

Sondern als kleines persönliches Experiment.

Denn Eigenverantwortung beginnt mit Wahrnehmung.

Wir können unseren Biorhythmus nicht einfach abschaffen.

Aber wir können lernen, besser mit unserem Körper zu arbeiten, statt ständig gegen ihn.

Und vielleicht ist das sogar für Unternehmen eine interessante Frage.

Nicht:

„Wie bekommen wir aus unseren Mitarbeitern noch mehr Leistung heraus?“

Sondern:

„Welche Bedingungen helfen Menschen dabei, ihre Leistung über einen Arbeitstag möglichst gut abzurufen?“

Das ist ein ziemlich großer Unterschied.

Und vielleicht beginnt er mit einer erstaunlich kleinen Beobachtung:

14:15 Uhr.

Die Kaffeemaschine läuft.

Die Konzentration sinkt.

Und irgendwo denkt gerade jemand:

„Was ist denn heute mit mir los?“

Vielleicht lautet die Antwort manchmal einfach:

Du bist ein Mensch. Kein Motor.

Und genau deshalb lohnt es sich, zu verstehen, wie Dein eigener Motor eigentlich funktioniert.


Ein Impuls von Team Circles
Ernährung | Mindset | Lifestyle
Mit uns wachsen.

Dieser Impuls teilen:

WhatsApp Facebook X

Quellen & Einordnung
Dieser Impuls dient der allgemeinen Information und soll zum Nachdenken über den eigenen Lebensstil anregen. Er ersetzt keine medizinische Beratung.

Weiterführende Informationen:

Das Bundesministerium für Gesundheit-Portal gesund.bund.de erklärt die Bedeutung der inneren Uhr, von Licht und eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Gesundheitsportal

gesund.bund.de – Gut schlafen und innere Uhr

Die wissenschaftliche Übersichtsarbeit The post-lunch dip in performance beschreibt einen mittäglichen Leistungsabfall, der auch ohne vorheriges Mittagessen auftreten kann und biologische/zirkadiane Ursachen hat. PubMed

PubMed – The post-lunch dip in performance

Eine weitere experimentelle Arbeit fand Hinweise auf einen endogenen Zusammenhang mit dem zirkadianen System. PubMed

PubMed – Circadian determinants of the postlunch dip

Nach oben scrollen