
„Ich habe keine Zeit.“
Vier Worte, die wahrscheinlich jeder von uns kennt.
Keine Zeit für Bewegung.
Keine Zeit, vernünftig zu essen.
Keine Zeit für eine Pause.
Keine Zeit für Freunde.
Keine Zeit für einen Termin.
Keine Zeit, etwas zu verändern.
Und manchmal stimmt das natürlich.
Es gibt Tage, an denen Arbeit, Familie, Verpflichtungen und unvorhergesehene Dinge tatsächlich kaum Raum lassen.
Aber manchmal lohnt sich eine zweite Frage:
Habe ich wirklich keine Zeit?
Oder habe ich gerade entschieden, meine Zeit für etwas anderes zu verwenden?
Zeitmangel ist real
Bevor wir es uns zu einfach machen: Menschen können tatsächlich unter erheblicher Zeitknappheit stehen. Untersuchungen zeigen beispielsweise Zusammenhänge zwischen wahrgenommenem bzw. tatsächlichem Zeitmangel und weniger körperlicher Aktivität sowie ungünstigeren Ernährungsentscheidungen.
„Keine Zeit“ ist also nicht automatisch eine Ausrede.
Und trotzdem hat jeder von uns wahrscheinlich schon etwas Merkwürdiges an sich selbst beobachtet:
Für manche Dinge finden wir plötzlich doch Zeit.
Eine weitere Folge.
Noch ein paar Minuten am Handy.
Ein Abend mit Freunden.
Das Sofa.
Ein spontaner Ausflug.
Oder einfach einmal gar nichts tun.
Und daran ist überhaupt nichts falsch.
Auch Nichtstun darf eine Priorität sein.
Vielleicht liegt der interessante Unterschied deshalb gar nicht zwischen Zeit haben und keine Zeit haben.
Sondern zwischen:
„Ich kann gerade nicht.“
und
„Es ist mir gerade nicht wichtig genug.“
Vielleicht ist „keine Zeit“ manchmal eine Entscheidung
Unsere täglichen Entscheidungen haben häufig etwas gemeinsam:
Das Angenehme, Bequeme oder Notwendige von heute konkurriert mit etwas, dessen Nutzen möglicherweise erst morgen sichtbar wird.
Genau mit solchen Entscheidungen beschäftigt sich inzwischen auch die Forschung zu gesundheitsbezogenem Verhalten: Menschen wägen immer wieder kurzfristige und langfristige Folgen gegeneinander ab.
Heute auf dem Sofa bleiben – oder sich bewegen.
Heute schnell irgendetwas essen – oder sich Zeit für die Mahlzeit nehmen.
Heute weitermachen – oder eine Pause einlegen.
Keine dieser Entscheidungen entscheidet allein über unser Leben.
Aber aus einzelnen Entscheidungen werden irgendwann Gewohnheiten.
Und aus Gewohnheiten wird Alltag.
Vielleicht sollten wir deshalb manchmal nicht fragen:
„Habe ich dafür Zeit?“
Sondern:
„Ist es mir wichtig genug, dafür Zeit einzuplanen?“
Das ist eine unangenehmere Frage.
Aber möglicherweise eine ehrlichere.
Ein ehrliches Nein braucht keine Ausrede
Es gibt noch eine andere Variante von „keine Zeit“.
Manchmal möchten wir etwas schlicht nicht.
Wir wollen diesen Termin nicht.
Wir möchten dieses Gespräch nicht führen.
Wir interessieren uns nicht für diese Idee.
Oder wir haben einfach keine Lust.
Auch das darf sein.
Ein ehrliches:
„Nein, danke. Das möchte ich nicht.“
ist vollkommen in Ordnung.
Vielleicht ist genau dieses Nein sogar wertvoller als eine Ausrede.
Denn ein Nein schafft Klarheit.
Eine Ausrede lässt den anderen möglicherweise weiter planen, hoffen oder Zeit reservieren.
Ein Nein kostet manchmal Mut.
Eine Ausrede kostet Vertrauen.
Sobald wir einen Termin vereinbaren, gehört Zeit nicht mehr nur uns
Und damit bekommt das Thema noch eine zweite Seite.
Wenn ich für Donnerstag 18 Uhr einen Termin vereinbare, reserviere nicht nur ich diese Stunde.
Auch jemand anderes tut es.
Ein Friseur.
Eine Therapeutin.
Ein Berater.
Eine Masseurin.
Ein Freund.
Dieser Mensch bereitet sich vielleicht vor.
Er hält seinen Kalender frei.
Vielleicht lehnt er sogar jemand anderem diesen Termin ab.
Natürlich passiert das Leben.
Menschen werden krank.
Kinder brauchen plötzlich ihre Eltern.
Züge fallen aus.
Autos springen nicht an.
Darum geht es nicht.
Aber wenn kurzfristige Absagen und vorgeschobene Gründe zum Muster werden, verändert sich etwas.
Dann geht es nicht mehr nur um Organisation.
Dann geht es um Verbindlichkeit und Wertschätzung.
Meine Zeit gehört mir.
Aber ein Termin betrifft auch die Zeit eines anderen.
Vielleicht ist Respekt vor einem Menschen deshalb manchmal etwas ganz Einfaches:
Respekt vor seiner Zeit.
Und dann gibt es Momente, in denen „keine Zeit“ plötzlich keine Rolle mehr spielt
Das ist vielleicht der unangenehmste Teil dieses Impulses.
Stell Dir vor, morgen verändert sich etwas.
Der Körper macht nicht mehr mit.
Eine Untersuchung wird notwendig.
Eine Diagnose steht im Raum.
Oder ein Unfall verändert innerhalb weniger Sekunden den bisherigen Alltag.
Plötzlich werden Termine möglich, für die gestern angeblich kein Platz im Kalender gewesen wäre.
Andere Termine werden abgesagt.
Arbeit wird verschoben.
Wege werden gefahren.
Stunden werden in Wartezimmern verbracht.
Nicht, weil der Tag plötzlich 30 Stunden hätte.
Sondern weil sich innerhalb eines Augenblicks verändert hat, was wichtig ist.
Gesundheit lässt sich natürlich nicht vollständig planen oder kontrollieren. Auch ein bewusster Lebensstil ist keine Garantie gegen Krankheit oder Schicksal.
Aber die WHO fasst unter Selbstfürsorge ausdrücklich alltägliche Möglichkeiten zusammen, mit denen Menschen ihre Gesundheit erhalten und fördern können – darunter Ernährung, Bewegung, Schlaf und soziale Verbindung. Regelmäßige körperliche Aktivität wiederum ist nachweislich mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden.
Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, mehr Zeit zu bekommen.
Vielleicht geht es darum, bewusster zu entscheiden, wofür wir die Zeit verwenden, die wir haben.
Solange wir noch entscheiden können
Wir müssen nicht jeden Tag optimieren.
Wir müssen nicht jede freie Stunde sinnvoll nutzen.
Wir dürfen auf dem Sofa liegen.
Wir dürfen ausgehen.
Wir dürfen Dinge tun, die einfach nur Spaß machen.
Und wir dürfen Nein sagen.
Aber vielleicht lohnt sich ab und zu eine ehrliche Bestandsaufnahme:
Welche Dinge sind mir angeblich wichtig – bekommen aber seit Monaten keine Zeit von mir?
Meine Gesundheit?
Ein Mensch?
Erholung?
Bewegung?
Ein längst überfälliges Gespräch?
Oder etwas völlig anderes?
Und dann kommt vielleicht die schwierigste Frage:
Was müsste passieren, damit ich plötzlich doch Zeit dafür hätte?
Wenn Dir darauf sofort eine Antwort einfällt, ist vielleicht gar nicht die Zeit das eigentliche Problem.
Vielleicht ist es die Priorität.
Und genau deshalb möchten wir bei Team Circles nicht entscheiden, wofür Du Zeit haben sollst.
Wir möchten Gedanken anstoßen, bevor irgendwann Umstände entscheiden, wofür Du Zeit haben musst.
Denn solange Du entscheiden kannst, besitzt Du etwas ziemlich Wertvolles:
die Freiheit, Deine Prioritäten selbst zu setzen.
Ein Impuls von Team Circles
Ernährung | Mindset | Lifestyle
Mit uns wachsen.
Quellen & Einordnung
Dieser Impuls dient der allgemeinen Information und soll zum Nachdenken über den eigenen Lebensstil anregen. Er ersetzt keine medizinische Beratung.
Weiterführende Informationen:
• Weltgesundheitsorganisation (WHO): Self Care Health Interventions
• Weltgesundheitsorganisation (WHO): Physical Activity
• PubMed – Your money or your time? How both types of scarcity matter to physical activity and healthy eating: Pubmed
• PubMed – Intertemporal Decision-Making in Health Behaviours: A Conceptual Analysis: Pubmed
